Der demografische Wandel in Sachsen-Anhalt kommt in den Unternehmen an. So wird es immer schwieriger, im Wettbewerb um die besten Köpfe, geeignete Nachwuchs- und Fachkräfte zu gewinnen. Carola Schaar, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK), erklärt, wie die Unternehmen mit der Situation am Arbeitsmarkt umgehen und welche vorhandenen Potenziale besser genutzt werden können
Frau Präsidentin Schaar, wie schätzen Sie das Erwerbspersonenpotenzial für die kommenden Jahre ein?
In den nächsten Jahren werden mehr Ältere das Rentenalter erreichen als junge Menschen in die Arbeitswelt eintreten können. Dies ist eine besondere Herausforderung für unsere Unternehmen. Derzeit hat in Ostdeutschland jeder vierte Betrieb generell Probleme, offene Stellen zu besetzen. Über teilweise Schwierigkeiten klagt im Osten laut DIHK-Unternehmensbarometer fast die Hälfte der Unternehmen. Das heißt: Fast drei Viertel der Unternehmen sind vom Fachkräftemangel betroffen. Diese Werte sind höher als in anderen Teilen Deutschlands. Somit wird deutlich: Der demografische Wandel ist in unserer Region weiter vorangeschritten – er wird zunehmend zum Risikofaktor für die Unternehmen.
Wie können die Unternehmen damit umgehen?
Eine erste Möglichkeit ist immer gezielte Personalentwicklung durch Aus- und Weiterbildung. Der demografische Wandel ist am Ausbildungsmarkt angekommen. Die Unternehmen finden schwieriger geeignete Jugendliche. Daher müssen sie ihre Anstrengungen zur Gewinnung des Nachwuchses erhöhen. Ein großer Teil unserer Unternehmen nutzt bereits die IHK-Lehrstellenbörse, Magazine wie „Azubi gesucht“, Berufsorientierungsmessen und kooperiert mit allgemein bildenden Schulen. Dieses Engagement kann und muss noch stärker vorangetrieben werden.
Was ist mit den Jugendlichen, die weniger gute Noten haben?
Niemand wird auf der Strecke gelassen. Ein Teil der Unternehmen bietet Jugendlichen mit eher durchwachsenen Zeugnissen durchaus eine duale Berufsausbildung an. Natürlich sind dem auch Grenzen gesetzt. Bestimmte Anforderungen können nicht unterschritten werden. Darüber hinaus unterstützen die Unternehmen schwache Jugendliche von Anfang an, so zum Beispiel mit eigener Nachhilfe, aber auch mit Stützunterricht, gefördert durch die ausbildungsbegleitenden Hilfen der Agenturen für Arbeit.
Welche weiteren Potenziale der Fachkräftesicherung sehen Sie?
Natürlich geht es nicht nur um die Gewinnung neuer Fachkräfte, sondern auch um die Motivation und Bindung der bereits im Unternehmen arbeitenden Mitarbeiter. Das ist der Grundstock, hier müssen die Halteanker verbessert werden. Dies ist durch Weiterbildungen und durch Aktivitäten im Bereich von Beruf und Familie möglich.
Was bieten die Unternehmen konkret?
In vorzeigbaren Initiativen organisieren die Unternehmen flexible Arbeitszeiten, unterstützen bei der Pflege von Kindern, aber auch von Familienangehörigen. Außerdem helfen Firmen bei der Organisation von Betreuungsmöglichkeiten. Darüber hinaus werden aber auch die Potenziale der Älteren im Unternehmen länger genutzt. Hier geht es darum, Bedingungen zu schaffen, dass Ältere länger und gesünder arbeiten können. Gleichzeitig bietet dies die Grundlage, dass ihre wertvollen Erfahrungen im Austausch mit den jüngeren Mitarbeitern noch stärker genutzt werden können.
IHK berät zur Ausbildung Kann ich in meinem Unternehmen ausbilden? Fragen rund um die Ausbildung beantworten die Ausbildungsberater der IHK. Die IHK unterstützt ihre Mitgliedsunternehmen in allen Belangen der Ausbildung, leistet konkrete Hilfe bei Schwierigkeiten und vermittelt bei Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbildungsbetrieb. Dazu besuchen die Berater die Unternehmen, informieren telefonisch oder geben schriftliche Tipps und Hinweise. Alle Ansprechpartner im Süden Sachsen-Anhalts: Halle (Stadt Halle und Altkreis Saalkreis) Matthias Schwarze | Telefon: 0345 2126-342 | E-Mail: mschwarze@halle.ihk.de Bitterfeld (Altkreis Bitterfeld und Landkreis Wittenberg) Haldis-Angelika Winkler | Telefon: 03493 3757-29 | E-Mail: hwinkler@halle.ihk.de Dessau (Stadt Dessau-Roßlau und Altkreise Bernburg, Köthen, Zerbst) Hubert Pohl | Telefon: 0340 26011-15 | E-Mail: hpohl@halle.ihk.de Sangerhausen (Mansfeld-Südharz) Berit Credo | Telefon: 03464 260959-14 | E-Mail: bcredo@halle.ihk.de Weißenfels (Altkreis Merseburg-Querfurt, Burgenlandkreis) Gernot Voigt | Telefon: 03443 4325-24 | E-Mail: gvoigt@halle.ihk.de |

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