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Bitterfeld-Wolfen – einer der ältesten komplexen Chemiestandorte in Europa

Bereits 1893 siedelte sich die chemische Industrie, angezogen von den kostengünstigen Braunkohlevorkommen, in der Region Bitterfeld an. Die AEG Berlin gründete 1893 die Elektrochemischen Werke GmbH Bitterfeld. Dem folgte die AGFA Berlin mit der Gründung der Farbenfabrik im Jahr 1895 und der Errichtung der Filmfabrik Wolfen im Jahr 1909.

Die Inbetriebnahme der weltweit ersten Chloralkali-Elektrolyse 1894 durch die Chemische Fabrik Griesheim prägte den Standort. Auf der Basis der Grundchemikalien Chlor, Natronlauge und Wasserstoff entwickelten sich weitere neue Produktionslinien. Es entstanden Produktionsbetriebe zur Herstellung von Phosphor sowie Phosphorverbindungen, diverser Farbstoffe, Pflanzenschutzmittel und Kunststoffe. Bitterfeld wurde ein Standort mit innovativen Leistungen. Bereits 1913 wurde hier der Kunststoff PVC erfunden. Durch Nachchlorierung gelang es 1934 die weltweit erste synthetische Faser (PC-Faser) herzustellen. 1938 gelang erstmals die industrielle Fertigung von Kunstharz-Ionenaustauschern in Wolfen.

Die Bitterfelder Leichtmetallindustrie brachte die erste technisch verwertbare Magnesiumlegierung ELEKTRON auf den Markt. Erst dadurch wurde die Grundlage für die Entwicklung des Ganzmetallflugzeuges möglich.

Seit 1910 wurden in der Filmfabrik Wolfen Schwarzweiß-Filme unter dem Namen AGFA hergestellt. Hier wurde 1936 das weltweit erste Verfahren zur Herstellung von Kinefarbfilmen entwickelt. Die Filmfabrik war in den dreißiger Jahren der größte Film- und Faserproduzent Europas. Bis 1989 wurden in Wolfen neben der Film- und Magnetbandproduktion Zellstoff und Chemiefasern hergestellt.

Der Farbfilm machts möglich: Bunter Blick auf die Chemieanlagen

Der Chemiestandort Bitterfeld entwickelte sich zu einem Vielproduktestandort mit zahlreichen Betrieben und über 4.500 Einzelprodukten. 

Nach der politischen Wende machten veraltete Technologien, desolate technische Zustände in den Betrieben, veraltete Infrastrukturen und untragbare Umweltverhältnisse ein neues Konzept zum Erhalt des Chemiestandortes zwingend erforderlich. Bereits Anfang der 90er Jahre wurde erstmals in Bitterfeld das ChemiePark-Konzept erarbeitet und realisiert. Bereits 1992 erfolgten die ersten Neuansiedlungen von Unternehmen, Ausgründungen von Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben sowie Privatisierung von einzelnen Produktionsbetrieben. Das war die Geburtsstunde des ChemieParks Bitterfeld Wolfen.

Nach der gescheiterten Erstprivatisierung im Jahr 2000 wurde von der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) die ChemiePark Bitterfeld-Wolfen GmbH europaweit ausgeschrieben. Nach der erfolgten Zweitprivatisierung an die Preiss-Daimler-Unternehmensgruppe und Übernahme der Wasserver- und Abwasserentsorgung im Wolfener Areal A, ehemals Filmfabrik, wurde der Weg frei für die komplexe Umstrukturierung und Erschließung des ChemieParks. Innerhalb kürzester Zeit wurden die Erschließungsplanungen für alle Areale eingeleitet. Die Bauleitplanung, einschließlich von Lärmimmissionsmessungen, die Umweltverträglichkeitsuntersuchung des Standortes, die Erarbeitung der Generalentwässerungspläne sowie die Neuausrichtung des Wasserver- und Abwasserentsorgungsnetzes waren grundsätzliche Aufgaben der Standortgesellschaft und wichtige Voraussetzungen für eine effektive, wirtschaftliche sowie langfristige Erschließung und Neugestaltung des ChemieParks. Nicht mehr nutzbare technische Produktionsanlagen, marode Gebäude, Verkehrsflächen, unterirdische Leitungssysteme und Bauwerke wurden beräumt, abgerissen, entflochten und tiefenenttrümmert. Aus unansehnlichen Relikten der Vergangenheit entstanden baureife Flächen für neue Ansiedlungen.

Umfangreiche Maßnahmen wurden zur Neugestaltung der zentralen Infrastruktur, der verkehrstechnischen Anbindung, der Wasserver- und Abwasserentsorgung, Energieversorgung und Kommunikationstechnik erforderlich. Über 400 Maßnahmen wurden in der Zeit zwischen 2001 und 2008 bei laufendem Geschäftsbetrieb am Chemiestandort Bitterfeld-Wolfen zur Restrukturierung der Infrastruktur umgesetzt. Parallel dazu wurde in die Gebäudesanierung investiert und Neuinvestitionen wie z. B. der Bau des Kraftwerks der PD energy GmbH realisiert. Nach zwölf Jahren erfolgreicher Arbeit veräußerte der Gesellschafter der Standortgesellschaft Jürgen Preiss-Daimler die P-D ChemiePark Bitterfeld Wolfen GmbH an ein Unternehmen, das den Chemiestandort langfristig und kontinuierlich weiterentwickelt. Im September 2013 erwarb die GELSENWASSER AG 94 % der Geschäftsanteile an der P-D ChemiePark Bitterfeld Wolfen GmbH. Nach Beendigung der Phase der erfolgreichen Umsetzung des Infrastrukturprogrammes ist die Chemiepark Bitterfeld-Wolfen GmbH nunmehr in die Phase der nachhaltigen Bewirtschaftung und des kontinuierlichen Ausbaues des Standortes übergegangen.  

1893: Gründung der Elektrochemischen Werke GmbH Bitterfeld durch die AEG Berlin.

1894: Inbetriebnahme der ersten großtechnischen Chloralkalielektrolyse der Welt durch die Chemische Fabrik Griesheim.

1895: Der Bau der Farbenfabrik in Greppin erfolgte durch die Agfa Berlin.

1900: Die erste elektrothermische Phosphorerzeugung Deutschlands erfolgte in Bitterfeld.

1909: Die Entwicklung der ersten technisch verwertbaren Magnesiumlegierung der Welt gelang in Bitterfeld.

1913: Erfindung des Kunststoffes PVC. 

1934: Auf Basis des in Bitterfeld entwickelten nachchlorierten PVC wird in der Filmfabrik Wolfen die erste synthetische Faser (Pe-Ce-Faser) hergestellt.

1936: Start der ersten Produktionsanlage zur Herstellung von PVC in Bitterfeld.

1936: Die Herstellung des ersten Farbfilms der Welt gelang in Wolfen.

1938: Die Produktion des ersten Kunstharz-Ionenaustauschers (WOFATIT) in Wolfen.